Traumatisierung kann entstehen, wenn uns ein einschneidendes Ereignis in unserem gewohnten Leben Zu-Schnell und Zu-Plötzlich passiert und wir dieses Ereignis als (lebens)-bedrohlich und überwältigend erleben. Dies kann ein Unfall, der Verlust eines Menschen, ein Umzug, das (Mit)-Erleben von Gewalt, ein operativer Eingriff, ein Hundebiss und vieles mehr sein.

Uns stehen bei Gefahr und Bedrohung angeborene Überlebensstrategien zur Verfügung – Flucht, Kampf oder Starre. Die Aktivierung dieser Überlebensstrategien geschieht unter sehr hohem Einsatz von körperlicher Energie – unser Autonomes Nervensystem ist unter Gefahr in voller Aktion. Können wir die mobilisierte Energie nicht zeitnah nach der Gefahrensituation wieder ausagieren – z. B. Indem wir uns moderat bewegen – bleibt sie im Nervensystem gebunden und kann jahrelang im Körper „stecken“ bleiben. Die Folge daraus ist, dass unser Organismus ab diesem Zeitpunkt weiterhin im Alarmzustand verharrt. Wir reagieren womöglich in unscheinbarsten Situationen so, als müssten wir um unser Leben kämpfen, fliehen oder in die Starre verfallen. Unser Überlebensmechanismus springt an, selbst wenn es in der Gegenwart keinen Anlass für Gefahr gibt.

Vielleicht erstarren wir vor Schreck oder werden wütend, wenn aus Versehen ein Teller zu Bruch geht. Wir ordnen dieses Geräusch nicht dem Unfall vor 6 Monaten zu, bei dem die Fensterscheibe zersprang. Damals war ja „nichts Schlimmes passiert“, doch unsere Körperwahrnehmung erinnert sich daran und fühlt sich heute in der Gegenwart – genau wie damals in der Vergangenheit – in Lebensgefahr. Auf Verstandesebene wissen wir, dass die ursprünglich erlebte Situation schon lange vorbei ist, unser Verhalten und unsere Gefühle sind jedoch immer noch mit dem belastenden Ereignis aus der Vergangenheit verkoppelt.

Ein Trauma ist nicht das Ereignis selbst, sondern die Reaktion des Körpers auf das Ereignis

– Dr. Peter A. Levine

Oft haben wir auch nur das Gefühl, „irgend etwas stimmt mit mir nicht“, können diese Wahrnehmung jedoch keiner bestimmten Ursache zuordnen. Dies kann in uns ein Gefühl von Hilflosigkeit und Überwältigung auslösen. Es ist wichtig zu wissen, dass Trauma sowohl über Generationen weitergegeben werden kann als auch bereits vor der Geburt im Mutterleib, direkt bei der Geburt und während der sehr frühen Kindheit entstehen kann. Langjährige, frühkindliche Erfahrung von Vernachlässigung, fehlende Zuwendung und mangelnde Geborgenheit können zum sogenannten Entwicklungs- oder Bindungstrauma führen.

In der sehr achtsamen, körperorientierten Traumatherapie (nach Ansätzen von Somatic Experiencing®) aktivieren wir gemeinsam Ihre persönlichen Ressourcen, die während der bedrohlichen Situation vermutlich fehlten. Das bewusste und gegenwärtige Erspüren und Wahrnehmen von Körperreaktionen und daraus entstehenden Bewegungsimpulsen steht dabei immer im Vordergrund. Wir arbeiten mit Ihrer Körpererinnerung. Somit ist es nicht notwendig, dass Sie etwas erzählen, das sehr belastend für Sie ist und für das es womöglich (noch) keine Worte gibt.

Im Hier und Jetzt können Sie Ihre Emotionen, Ihre Gedanken und Körperempfindungen ohne jegliche Bewertung und mit sicherem Abstand wahrnehmen und geschehen lassen. Während ich Sie dabei begleite, zwischen dem Spüren Ihrer Ressourcen und der belastenden Erinnerung hin- und herzupendeln, kann sich nach und nach die im Körper gebundene Überlebensenergie wieder lösen – sie kann sich entladen. Dieser Prozess geschieht bewusst in der Gegenwart verankert und sehr kleinschrittig, damit Ihr Organismus diese neue Erfahrung verarbeiten und gut integrieren kann. Ein Gefühl von Überwältigung kann damit vermieden werden.

Das Trauma ist verarbeitet, wenn Sie – ohne dass Ihr Autonomes Nervensystem in Stress gerät – an das Ereignis denken und darüber sprechen können.

Der Schlüssel zur Traumabewältigung ist nicht, das Trauma wieder zu erleben, sondern neue Erfahrungen im Körper zu schaffen.

– Dr. Peter A. Levine